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09. März 2026

Weaning im Fokus: Internationaler Austausch auf Augenhöhe

„Weaning und Rehabilitation haben sich in den vergangenen Jahren klar in Richtung ICU Recovery verschoben und werden als zusammengehöriger Prozess gesehen – während und nach dem ICU-Aufenthalt“, ist PD Dr. Peter Nydahl (Foto), Sprecher der DIVI-Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, überzeugt. „Gleichzeitig gewinnen strukturierte, multiprofessionelle Formate mit Simulation, Skills und standardisierten Pfaden an Bedeutung!“ Aus diesem Grund wird sich die Sektion auch über die DIVI-Akademie an der Ausrichtung der 10. European Conference on Weaning and Rehabilitation in Critically-Ill Patients beteiligen. Am 26. und 27. September wird an der Sorbonne in Paris der interdisziplinäre und multiprofessionelle Ansatz zur Entwöhnung und Rehabilitation kritisch Kranker im Fokus stehen. Im Gespräch erklärt Peter Nydahl, warum sich die Beteiligung am Kongress mit einem Abstract wie auch der Besuch und internationale Austausch lohnen werden.

Warum ist Weaning und Rehabilitation bereits während der Intensivtherapie so entscheidend? Was gilt es zu verstehen?
Peter Nydahl: Funktioneller Verlust entsteht früh und lässt sich später nur begrenzt aufholen. Frühzeitige Mobilisation, Atemmuskeltraining und alltagsnahe Therapie (z.B. OT/SLT) beeinflussen den Weaning-Erfolg und Langzeitfolgen direkt. So ist unsere größte Herausforderung auch die hohe Heterogenität unserer Patientinnen und Patienten: Atemmechanik, Zwerchfellfunktion, Sekretmanagement, Schlucken/Kommunikation und Delir greifen ineinander – entsprechend gilt es, viel zu lernen und viel zu berücksichtigen. Dazu kommt der Spagat zwischen evidenzbasierten Standards und der täglichen Realität mit wechselnden Teams und Ressourcen auf der Station.

Hier gilt der Kongress in Paris als besonders richtungsweisend. Warum?
P.N.: Ich finde die Kombination aus „Weaning: evidence-based practice“ plus konkrete Cases (SLT) und „Caring for families“ ist sehr zielführend, weil so Technik, Kommunikation und Familienzentrierung zusammengebracht werden. Dazu kommen die praxisnahen Workshops zu Tracheostomie, mechanischer In-/Exsufflation, Ultraschall (Zwerchfell/Schlucken) und Mobilisation mit ECMO. So werden Teilnehmende nach dem Kongress und zurück in der Klinik ganz bestimmt kurze, gemeinsame Weaning-/Rehab-Huddle im eigenen Team einführen oder klarere Tracheostomie- und Sekretmanagement-Standards und mehr strukturierte Schluck- und Zwerchfell-Checks per Ultraschall zu ihren eigenen Skills zählen dürfen.

Was unterscheidet diesen europäischen Kongress von nationalen Veranstaltungen?

P.N.: Hier treffen Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Versorgungssystemen, Rollenmodellen und Ausbildungspfaden aufeinander und diskutieren auf Augenhöhe miteinander – und genau daraus entsteht Lerngewinn, nicht nur Bestätigung. Zudem ist vor allem das Dinner eine hervorragende Gelegenheit, Champions zu treffen, die man sonst nur als Namen von veröffentlichten Papern kennt.

Gibt es Unterschiede in Weaning-Strategien zwischen europäischen Ländern?

P.N.: Ja, vor allem in der praktischen Organisation: Grad der Spezialisierung (z.B. tracheostomy pathways), Einsatz bestimmter Rehab-Techniken und die Einbindung von OT/SLT variieren. Der Kongress macht diese Unterschiede sichtbar und übersetzt sie in konkrete, übertragbare Bausteine.
Auch setzt das Programm sichtbar auf Multi-Professionalität: Die Disziplinen Medizin, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Psychologie sind alle vertreten. Themen wie „Humanizing Delirium Care“, „Thirst in the ICU“ und Familienarbeit zeigen diese Breite sehr konkret.

Worauf freuen Sie sich in Paris besonders?

P.N.: Ich schaue vor allen Dingen auf die Remote-Rehabilitation („iRehab study“) und darauf, wie digitale Nachsorge und Trainings sicher in den Alltag integriert werden. Spannend sind auch Daten, die Symptome und Patientenerleben stärker abbilden, zum Beispiel Dyspnoe als gezielt adressiertes Problem. Gespannt bin ich auch darauf, ob wir gemeinsam fortwährende Fragen lösen können, beispielsweise wie Weaning-Erfolg sinnvoll gemessen werden kann. Eine kurzfristige Extubation reicht nicht, wenn Belastbarkeit und Teilhabe fehlen.

Zum Schluss: Welches Learning hat Ihre Weaning-Praxis verändert?

P.N.: Ich habe gelernt, dass „Caring for families“ kein weiches Extra ist, sondern ganz praktisch das Outcome des Weanings und der Rehabilitation stabilisiert – gerade, wenn Angst, Delir oder Dyspnoe im Raum stehen.

Zum Kongress: