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24. Februar 2026

Resilienzbegleiterin: „Der Wow-Effekt entsteht durch Erfahrung!“

Eigentlich war es Zufall! Eva Michaels Mann las im Ärzteblatt über den Kurs der DIVI-Akademie Resilienzbegleiter:in und -multiplikator:in. „Das ist etwas für dich“, sagte er. Dabei wusste ich damals noch nicht einmal, was Resilienz genau bedeutet – auch wenn ich bereits Entspannungstrainerin und Atemcoach war“, erinnert sich die Fachkinderkrankenschwester für Anästhesie- und Intensivpflege, die im Universitätsklinikum Düsseldorf arbeitet. Der dreitägige Kurs hat dann aber ein Feuer entfacht, das bis heute Kreise zieht! Ein Gespräch über Resilienz, Peer Support und neue Wege im Klinikalltag.

Frau Michael, heute treiben Sie das Thema Resilienz und Peer Support in Ihrer Klinik aktiv voran. Wenn Sie zurück an den Start denken: Was war bei diesem Kurs der DIVI-Akademie anders als bei anderen Fortbildungen?
Eva Michael: Die Atmosphäre! Es war ein sehr gut strukturierter und logisch aufgebauter Kurs, aber gleichzeitig sehr abwechslungsreich. Wir waren acht Teilnehmende und hatten innerhalb des Kurses Raum und Zeit, uns ausführlich auszutauschen. Theorie und Praxis waren perfekt gemischt, niemand musste sich verstellen. Und wir waren ganz viele unterschiedliche Typen: Pflegedienstleitung, Kinderkrankenschwester ohne Fachweiterbildung, mit Fachweiterbildung, eine Ärztin aus der Notaufnahme und auch ein nichtmedizinisch tätiger Kursteilnehmer war dabei. Dieser Kurs war einfach toll! Wir haben unfassbar viel gelacht. Aber wir waren gleichzeitig auch sehr ehrlich miteinander.
Bis heute haben wir Kontakt über eine WhatsApp-Gruppe. Wenn einer von uns eine Frage hat, kommen sofort Rückmeldungen aus ganz unterschiedlichen Kliniken. Dieses Netzwerk ist unbezahlbar!

Was hat der Kurs bei Ihnen persönlich verändert?
E.M.: Sehr viel. Das Resilienztraining hat mich selbst verändert. Ich habe gelernt, in stressigen Situationen innezuhalten. Früher hätte ich sofort reagiert – und das nicht immer so, wie ich es mir rückblickend gewünscht hätte. Heute kann ich einen Moment warten, einen Satz sagen, mich kurz herausnehmen, die Situation für mich bewerten – und dann wieder zurückgehen.
Ich hatte inzwischen viele Momente, in denen ich dachte: Wow, vor ein paar Monaten hättest du ganz anders reagiert.

Warum sind Resilienz wie auch Peer Support gerade in der Pädiatrie so wichtig?
E.M.: Weil wir nicht nur Kinder betreuen, sondern auch deren Eltern. Die emotionale Belastung ist enorm. Wir müssen deshalb anders arbeiten und mehr auf uns selbst achten als in vielen anderen Fachbereichen.

Der Kurs scheint sehr viel bei Ihnen – und damit auch in Ihrem Umfeld – angestoßen zu haben.
E.M.: Auf jeden Fall. Mir sind zurück in der Klinik viele Dinge viel bewusster aufgefallen, klarer geworden. Unsere Mitarbeitenden sind oft völlig erschöpft. Mir ist bewusst geworden, wie wichtig Resilienz in der Pflege und für die Pflege ist, denn nur resilientes und stabiles Pflegepersonal kann empathisch und stark pflegen!

Und das packen Sie jetzt an!
E.M.: Genau! Ich habe Begeisterung in anderen wecken können. Meine Pflegedienstleitung, der leitende Oberarzt und eine Oberärztin der Kinderklinik unterstützen mich beim Aufbau von Resilienz-Kompetenzen, einem Kursangebot für die Mitarbeitenden, der Implementierung eines Peers Supports in der Kinderklinik der Uni Düsseldorf und einem Netzwerk für selbigen. Und natürlich braucht man eine Menge Wissen. So wollte ich nach dem DIVI-Kurs weitermachen, mehr erfahren und habe über eine Fernschule die Ausbildung zur Resilienztrainerin absolviert. Im Rahmen meiner Abschlussarbeit zur Resilienztrainerin habe ich einen Acht-Stunden-Kurs für die Pflegenden bei uns in der Klinik erarbeitet. Im November habe ich die drei Module bei PSU-Akut e.V. zum Peer abgeschlossen.

Respekt! Das klingt nach viel Arbeit.
E.M.: Tatsächlich ist der Aufbau der Strukturen für den Peer Support komplexer als man denkt. Personalrat, Betriebsarzt, Datenschutz, Gleichstellungsbeauftragte … alle müssen eingebunden werden. Mein Konzept für die Implementierung des Peer Supports umfasst inzwischen rund 30 Seiten. Aber ich bin begeistert von der Möglichkeit, einen niederschwelligen Support nach einem schwerwiegenden Ereignis anbieten zu können, weil wir es brauchen – und weil ich absolut überzeugt davon bin, dass wir hierdurch Lösungen und Hilfen für viele Kolleginnen und Kollegen anbieten können.

Gab es einen Moment, der Ihnen besonders gezeigt hat, wie wichtig das Thema ist? Dass Sie den richtigen Weg eingeschlagen haben?
E.M.: Ja. Ich habe eine Kollegin, die immer gut gelaunt war – wirklich immer. Und plötzlich hatte sie ein schweres Burnout. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Man sieht oft nicht, wie es Menschen wirklich geht. Und wenn es so weit ist, dann bin ich natürlich nicht mehr kompetent genug, um zu helfen. Aber früher anzusetzen, es gar nicht so weit kommen zu lassen, das möchte ich schaffen. Nach schwierigen Situationen brauchen Mitarbeitende jemanden, der zuhört, Orientierung gibt und auch erkennt, wann professionelle Hilfe notwendig wird. Der Peer ersetzt keine Therapie, das soll er auch nicht, aber er sorgt dafür, dass niemand sich alleingelassen fühlt.

Ihr Wunsch für die Zukunft?
E.M.: Ich habe inzwischen einen festen Projekttag pro Woche und sogar einen Ort, an dem ich in Ruhe arbeiten kann. Am liebsten würde ich sofort loslegen – aber solche Prozesse brauchen Zeit. Wenn mein Projekt auf fruchtbaren Boden fällt, werden neun Peers in der Kinderklinik gebraucht. Aktuell bin ich dort allein. Acht fehlen also noch. Wenn das Konzept genehmigt wird, ist das erst der Startschuss. Fernziel ist eine Implementierung in der ganzen Uniklinik.
Und wäre es natürlich wunderbar, dass die Begeisterung für Resilienz und/ oder Peer Support auch in anderen geweckt wird und überall neue Leuchttürme entstehen.
Und vor allem wünsche ich mir, dass wir mit alten Glaubenssätzen aufräumen. Das gehört einfach dazu, denken viele, wenn es um schwerwiegende Ereignisse in der Pflege geht, aber das ist Quatsch. Damit muss Schluss sein! Nach einer Situation, die die Pflege erschüttert, muss jeder wissen: Das war eine schwerwiegende Situation und die Reaktion darauf ist ganz normal. Keiner muss tapfer sein als Second Victim in der Pflege. Das ist sehr wichtig!

Wer beim nächsten Kurs vom 23. bis 25. April 2026 in Berlin dabei sein will, kann sich hier anmelden: https://akademie.divi.de/kurse/divi-kurse/resilienz-begleiterin

Foto: Uniklinikum Düsseldorf