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20. Juli 2026

Internationale Kongressteilnahme: „Niemand erwartet Oxford-Englisch“

Neue Impulse, internationale Kontakte und der Blick über den eigenen Tellerrand: Die European Conference on Weaning and Rehabilitation in Critically-Ill Patients bietet Ende September in Paris die Gelegenheit, sich mit Kolleg:innen aus ganz Europa auszutauschen. Warum sich auch eine kurzfristige Teilnahme lohnt, weshalb Sprachbarrieren meist nur im Kopf entstehen und welche Ideen sich unmittelbar in den Klinikalltag mitnehmen lassen, erklärt PD Dr. Peter Nydahl, Sprecher der DIVI-Sektion Intensivmedizinische Frührehabilitation, im Gespräch.

Viele Kolleginnen und Kollegen haben Respekt vor einem englischsprachigen Kongress. Zu Unrecht?
Peter Nydahl: Ja, absolut. Bei einer europäischen Konferenz ist Englisch für die meisten Teilnehmenden eine Fremdsprache. Gerade wir Deutschen haben häufig den Anspruch, uns grammatikalisch möglichst perfekt ausdrücken zu müssen. Aber das erwartet niemand.
Ein amerikanischer Kollege hat einmal zu mir gesagt: „Du versuchst, in meiner Sprache mit mir zu sprechen. Das rechne ich dir hoch an! Denn ich könnte kein Wort Deutsch.“ Dieser Satz ist mir bis heute im Kopf geblieben. Es ist überhaupt nicht schlimm, Fehler zu machen. Viel schlimmer wäre es, aus Angst vor Fehlern gar nicht erst ins Gespräch zu kommen. Genau vom Austausch lebt so ein Kongress.

Was nehmen Sie persönlich jedes Mal von einem europäischen Kongress mit nach Hause?
P.N.: Vor allem neue Perspektiven. Natürlich beschäftigen wir uns überall mit ähnlichen Fragen rund um Weaning, Frühmobilisation oder Rehabilitation. Aber jedes Land findet dafür manchmal andere Lösungen.
Ich kann Kolleginnen und Kollegen direkt fragen: „Wie macht ihr das? Wie habt ihr dieses Problem gelöst?“ Solche Gespräche bringen einen oft genauso weiter wie ein wissenschaftlicher Vortrag. Man fährt nach Hause und denkt: Das könnten wir bei uns eigentlich auch einmal ausprobieren. Genau diese Ideen machen für mich den Wert solcher Kongresse aus.

Gab es in den vergangenen Jahren einen Moment, bei dem Sie gedacht haben: Genau deshalb komme ich immer wieder?
P.N.: Solche Momente gibt es eigentlich jedes Jahr. Mich begeistert, wie viele kreative Ideen dort entstehen. Besonders spannend fand ich zuletzt eine Pilotstudie mit einem kleinen Laufband, das direkt neben das Intensivbett geschoben werden kann. Patientinnen und Patienten können dadurch schon sehr früh wieder gehen, obwohl sie noch intensivmedizinisch versorgt werden.
Oder nehmen Sie neue Entwicklungen wie künstliche Intelligenz oder Virtual Reality. Man muss solche Ansätze nicht sofort übernehmen. Aber sie regen dazu an, die eigene Arbeit immer wieder neu zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Genau dafür sind internationale Kongresse da.

Warum sind die Gespräche außerhalb des Vortragsprogramms oft genauso wertvoll?
P.N.: Weil man dort Menschen trifft, die man bisher vielleicht nur als Namen unter einer wissenschaftlichen Publikation kannte. Plötzlich sitzt man beim Abendessen zusammen oder kommt in einer Pause ganz unkompliziert ins Gespräch.
Oft entstehen daraus Kontakte, die weit über den Kongress hinaus bestehen bleiben. Man schreibt sich später noch einmal eine E-Mail, tauscht Erfahrungen aus oder entwickelt sogar gemeinsame Ideen. Dieses europäische Netzwerk ist unglaublich wertvoll.

Paris ist ja auch als Stadt allein schon eine Reise wert. Worauf freuen Sie sich persönlich – außer auf den Kongress?
P.N.: Natürlich freue ich mich auf die wissenschaftlichen Diskussionen. Aber genauso genieße ich es, nach einem Kongresstag noch durch das Quartier rund um die Sorbonne zu schlendern, in einem kleinen Bistro zu sitzen oder einfach die Atmosphäre der Stadt aufzusaugen. Solche Momente gehören für mich zu einem internationalen Kongress einfach dazu. Man kommt aus dem Klinikalltag heraus, bekommt den Kopf frei und kehrt oft mit frischen Ideen zurück – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich.

Eine Reise ins Ausland kostet natürlich Geld. Was würden Sie Kolleginnen und Kollegen sagen, die deshalb noch zögern?
P.N.: Es muss gar nicht so teuer sein, wie viele zunächst denken. Es lässt sich zum Beispiel oft bewusst eine Unterkunft etwas außerhalb des Zentrums buchen oder mit Kolleginnen und Kollegen eine Airbnb-Wohnung teilen. Das spart häufig schon eine Menge.
Außerdem lohnt es sich, mit der Stations- oder Klinikleitung ins Gespräch zu gehen. Wenn deutlich wird, welchen Nutzen der Kongress für das gesamte Team hat, ergeben sich manchmal Möglichkeiten, an die man vorher gar nicht gedacht hat. Deshalb mein Rat: Einfach nachfragen – und sich die Chance nicht vorschnell entgehen lassen.

 
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