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26. August 2026

Bronchoskopie auf Intensiv: „Das kann man nicht durch Zuschauen lernen“

Dr. Kathrin Schumann-Stoiber und ihr Team am Klinikverbund Allgäu am Standort Immenstadt haben einen Hands-on-Kurs für Bronchoskopie auf der Intensivstation entwickelt. Daraus ist inzwischen ein Curriculum der DIVI-Akademie geworden, das auch andere Kliniken nutzen können. Im Interview erzählt die Pneumologin und Intensivmedizinerin, warum Praxis so entscheidend ist, wie aus ihrem Kurs ein übertragbares Konzept wurde – und warum sie selbst dessen Potenzial zunächst unterschätzt hat.

Frau Dr. Schumann-Stoiber, weg von der Theorie, hin zum Tun – ist das Ihr Motto?
Gute Frage. Ja, denn viele Kolleginnen und Kollegen wissen theoretisch sehr viel. Aber in der konkreten Situation fehlt vielen die Sicherheit, dieses Wissen auch anzuwenden. Bronchoskopieren auf Intensiv kann man nicht durch Zuschauen lernen.

Warum nicht?
Weil wir kritisch kranke Patienten behandeln. Ich muss nicht nur das Bronchoskop beherrschen. Ich muss den Atemweg im Blick haben, die Beatmung verstehen, die pulmonale Reserve einschätzen und gleichzeitig die Herz-Kreislauf-Situation berücksichtigen. Und: Bronchoskopie ist kein Soloinstrument. Ich brauche ein Team.

Also war für Sie klar: Dafür braucht es einen Hands-on-Kurs?
Genau. Es gibt Kurse zu einzelnen Themen, etwa zur Tracheotomie oder Beatmungsmedizin. Aber die interventionelle Bronchologie auf der Intensivstation in ihrer ganzen Breite? Fehlanzeige. Also haben wir hier im Team gesagt: Dann entwickeln wir selbst einen Kurs.

Und zwar einen, in dem wirklich geübt wird?
Ja. Unser Ziel ist Handlungssicherheit. Der Kurs richtet sich deshalb an Fortgeschrittene. Die Teilnehmenden sollten die Anatomie kennen, mit einem Bronchoskop umgehen und einfache Untersuchungen bereits durchführen können. Im Kurs geht es dann um die Situationen, die uns auf Intensiv tatsächlich begegnen.

Welche zum Beispiel?
Ein schwieriger Atemweg. Bronchoskopie unter nicht-invasiver Beatmung. Die perkutane dilatative Tracheotomie. Akut beatmete, aber auch chronisch oder langzeitbeatmete Patienten. Und wir betrachten eben nicht nur das Bronchoskop. Beatmung, Atemwegsmanagement und die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen gehören dazu.

Wie viel wird tatsächlich geübt?
Der Kurs umfasst neun Stunden, mehr als drei davon vermitteln Hands-on-Techniken. Wir arbeiten unter anderem an Phantomen, Schweinetracheen und beatmungsfähigen Schweinelungen.

Sie begrenzen bewusst auf 14 Teilnehmende. Aber wie viele Lehrende stehen zur Verfügung?
Das ist tatsächlich eine enorme Manpower. Bei uns sind drei Atmungstherapeuten dabei und drei bis fünf Intensivmedizinerinnen und -mediziner. Dazu kommen Personen aus weiteren Disziplinen. Mir war wichtig, Interdisziplinarität wirklich abzubilden.

Von „Wir könnten einen Kurs gebrauchen.“ bis zu diesem Konzept ist es trotzdem ein ziemlich weiter Weg.
Oh ja! Der erste Kurs hat uns sehr viel Zeit in der Planung und Vorbereitung gekostet.

Und dann braucht man plötzlich nicht nur ein Programm, sondern auch ziemlich viel Material.
Sehr viel sogar! Phantome, Masken, Einmalbronchoskope, Monitore, Zangen – ohne Unterstützung und Materialspenden könnten wir den Kurs in dieser Form gar nicht durchführen. Und wir lernen mit jedem Kurs dazu.

Nach dem ersten Kurs war trotzdem noch nicht geplant, daraus ein DIVI-Curriculum zu machen?
Nein, überhaupt nicht, obwohl ich seit mehr als 15 Jahren DIVI-Mitglied bin. Nach unserem ersten Kurs wurden wir mit positivem Feedback regelrecht überrannt. Damals hatten wir noch gar keine strukturierte Evaluation. Es kamen einfach spontan E-Mails. Und am Abend wollten die Leute gefühlt gar nicht nach Hause gehen, weil das Interesse so groß war.

Und dann?
Eine anästhesiologische Kollegin aus unserem Team, die viel Simulationstraining macht, sagte zu mir: „Kathrin, ich glaube, das ist richtig gut angekommen. Frag doch einmal bei der DIVI.“

Sie selbst wären nicht auf die Idee gekommen?
Nein, tatsächlich nicht. Ich kannte natürlich den DIVI-Intensivtransportkurs. Aber ich wäre nie auf die Idee gekommen, zu sagen: Mein Kurs ist jetzt so toll, dass ich ihn zertifizieren lassen könnte.

Aber auch bei der Vorstellung in der DIVI-Akademie haben Sie viel positive Rückmeldung bekommen.
Das hat mich wirklich geflasht. Und erst in diesem Moment ist mir eigentlich klar geworden, was wir da geschaffen hatten: Ein Konzept, das man so beschreiben kann, dass auch eine andere Klinik danach arbeiten kann. Das war für mich noch einmal ein völlig neuer Blick darauf.

Aus Ihrem Kurs musste also ein allgemeingültiges Curriculum werden.
Genau. Und auch das war viel Arbeit. Aber es war ein total spannender Lernprozess. Die DIVI-Akademie hat noch einmal aus einem anderen Blickwinkel auf unseren Kurs geschaut. Ich habe ein sehr pneumologisches Herz. Kollegen und Kolleginnen aus Anästhesie, Chirurgie, Atmungstherapie oder Logopädie sehen manche Dinge anders. Das muss ein Curriculum berücksichtigen, wenn es wirklich interdisziplinär und übertragbar sein soll. Und ich glaube, dass dieser Prozess den Kurs noch einmal besser gemacht hat.

Und wenn jemand sagt: Wir haben Interesse, wissen aber noch nicht genau, wie wir anfangen sollen?
Dann darf er oder sie sich sehr gerne melden! Wenn eine Klinik schon einen Bronchoskopiekurs hat, können wir uns beispielsweise gemeinsam anschauen, was bereits da ist und was vielleicht noch fehlt. Man kann mir einen Flyer schicken, wir können videotelefonieren. Und wenn es sinnvoll ist, komme ich auch gerne einmal vorbei und helfe.

Sie haben eine Idee für die DIVI-Akademie?

Sie möchten den DIVI-zertifizierten Bronchoskopiekurs auch an Ihrer Klinik anbieten? Das Curriculum kann als Grundlage dienen, um den Kurs an einem weiteren Standort selbstständig aufzubauen.

Oder haben Sie bereits ein eigenes Fortbildungskonzept entwickelt, das sich auch für andere Kliniken und Kurszentren eignen könnte? Vielleicht steckt darin das nächste Curriculum der DIVI-Akademie.

In beiden Fällen gilt: Melden Sie sich gerne bei Astrid Bieß, Referentin der DIVI-Akademie unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Sie ist Ansprechpartnerin sowohl für Kliniken und Kurszentren, die ein bestehendes DIVI-Curriculum nutzen möchten, als auch für DIVI-Mitglieder, die eine mögliche Zertifizierung ihres eigenen Kurskonzepts besprechen möchten.

Foto: Klinik Immenstadt