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07. Juli 2026

„Nierenersatztherapie lernt man nicht nebenbei“

Praxisnah, interdisziplinär und wissenschaftlich fundiert: Gemeinsam mit Prof. Melanie Meersch-Dini (Mitte) aus Münster und Prof. Detlef Kindgen-Milles (rechts) aus Düsseldorf leitet PD Dr. Michael Schmitz (links), Chefarzt am Städtischen Klinikum Solingen, den AKI-NET-Kurs der DIVI-Akademie. Im Interview erklärt er, warum der Workshop weit mehr ist als eine klassische Fortbildung – und weshalb auch erfahrene Intensivmediziner:innen immer wieder Neues mitnehmen.

Viele Intensivmediziner wenden Nierenersatzverfahren regelmäßig an. Warum lohnt sich trotzdem ein eigener Kurs?

Weil das akute Nierenversagen zu den häufigsten und zugleich kritischsten Krankheitsbildern auf Intensivstationen gehört. Fast jeder, der auf einer Intensivstation arbeitet, kommt damit regelmäßig in Berührung. Trotzdem wird die Nierenersatztherapie im klinischen Alltag oft nur nebenbei vermittelt. Wer Patienten sicher behandeln möchte, braucht dafür jedoch fundiertes Wissen und praktische Erfahrung.

Was unterscheidet den AKI-NET-Kurs von klassischen Fortbildungen?

Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf der Praxis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hören nicht nur Vorträge, sondern arbeiten selbst an den Geräten. Sie rüsten Maschinen auf, trainieren Alarmmanagement, diskutieren reale Fallbeispiele und üben konkrete Abläufe in kleinen Gruppen. Genau dieses Hands-on-Konzept wird von den Teilnehmenden seit Jahren besonders geschätzt.

Warum legen Sie so viel Wert auf kleine Gruppen?

Weil Lernen nur funktioniert, wenn man selbst aktiv wird. Wir begrenzen die Teilnehmerzahl bewusst auf rund 20 bis 25 Personen. So arbeiten jeweils nur wenige Teilnehmer an einer Maschine, jeder kann Fragen stellen und alles selbst ausprobieren. Diese intensive Betreuung ist einer der großen Vorteile des Kurses.

An wen richtet sich das Angebot?

Wir sind interdisziplinär und multiprofessionell ausgerichtet – genau wie die DIVI. Deshalb richtet sich der Kurs an Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen, die auf Intensivstationen arbeiten. Ebenso willkommen sind Pflegefachpersonen, denn gerade der hohe Praxisanteil macht den gemeinsamen Austausch besonders wertvoll. Dabei profitieren sowohl Berufseinsteiger als auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Die Mischung ist eine große Stärke des Kurses: Erfahrene Teilnehmer entdecken durch die Fragen der Jüngeren oft neue Perspektiven, während Berufseinsteiger leichter Verständnisfragen stellen. So entsteht ein offener Austausch, von dem alle profitieren.

Was nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ende konkret mit nach Hause?

Vor allem mehr Sicherheit. Viele stellen fest, dass sie Zusammenhänge plötzlich besser verstehen oder typische Fehler künftig vermeiden können. Das betrifft beispielsweise die richtige Durchführung einer Nierenersatztherapie oder den Umgang mit möglichen Komplikationen. Ziel ist, das Gelernte unmittelbar im eigenen Klinikalltag anwenden zu können.

Sie führen den Kurs erstmals in Solingen durch. Warum gerade dort?

Das Konzept hat sich bereits mehrfach in Nürnberg bewährt und war regelmäßig ausgebucht. Mit Solingen schaffen wir nun ein zusätzliches Angebot für Kolleginnen und Kollegen aus der Mitte und dem Westen Deutschlands. Das Städtische Klinikum Solingen ist ein Maximalversorger mit großer intensivmedizinischer Erfahrung und bietet in seiner neuen Akademie ideale Bedingungen für einen praxisorientierten Workshop.

Was würden Sie Kollegen sagen, die noch überlegen, ob sich die Teilnahme lohnt?

Wer intensivmedizinisch arbeitet, wird mit akutem Nierenversagen konfrontiert werden. Die entscheidende Frage ist nicht, ob, sondern wie sicher man damit umgeht. Genau diese Sicherheit möchten wir vermitteln.
Unser Ziel ist, dass die Teilnehmenden anschließend in ihrer Klinik nicht nur routinierter handeln, sondern auch schwierige Entscheidungen fundierter treffen können. Und wenn trotz aller Bemühungen eine Patientin bzw. ein Patient verstirbt, bleibt zumindest die Gewissheit, nach aktuellem Wissen alles getan zu haben. Diese Sicherheit ist für die Behandlung ebenso wichtig wie für die Menschen, die sie verantworten.

Eckdaten und Anmeldung zu AKI-NET-KURS

  • Datum: 24. bis 25. September 2026
  • Ort: Solinger Akademie für Gesundheitsberufe, Solingen (NRW)

  • Inhalte und Schwerpunkte:

    • Grundlagen & Theorie:
      Aktuelles Wissen zu AKI-Leitlinien, adäquate Dosisfindung und organisatorische Voraussetzungen beim Multiorganversagen
    • Praktische Anwendung:
      Verfahrenswahl, CRRT-Aufbau sowie das Handling moderner Nierenersatzsysteme und Filter
    • Sicherheit:
      Antikoagulationsverfahren (Fokus Citrat), Alarm-Management und Vermeidung von Komplikationen
    • Workshops:
      Intensives Training in Kleingruppen für den direkten Transfer in den Klinikalltag

  • Anmeldung: https://akademie.divi.de/kurse/divi-kurse/aki-net

Foto: privat, Universitätsklinikum Münster und Universitätsklinikum Düsseldorf