Facebook

Twitter

Youtube

Perspektive Resilienz

Perspektivwechsel – Stärkung des Menschen in der Medizin

Mitarbeiter in der Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin sind neben der ohnehin anspruchsvollen und komplexen, fachlichen Tätigkeit in hohem Maße physisch, psychisch, emotional und sozial gefordert und zuweilen auch überfordert. Innerklinische (Krisen-)Hilfen sind bisher jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Durch eine zunehmende Abwanderung von medizinischem Personal aus Bereichen der Akut- und Notfallmedizin stellt sich ein empfindlicher Personalmangel ein, der sich institutionell in besonders neuralgischen Strukturen wie in Notaufnahmen und Intensivstationen zu einer Unterversorgung von Patienten führt. Vor diesem Hintergrund hat sich im Dezember 2018 unter der Leitung von Prof. Dr. Felix Walcher (Universitätsklinikum Magdeburg), Dr. Dominik Hinzmann (Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München) und Diana Wieprich (Pius Hospital Oldenburg) in der DIVI die Sektion „Perspektive Resilienz“ gegründet.

Ihre Ansprechpartner

Prof. Dr. Felix Walcher
Sektionssprecher

Direktor der Klinik für Unfallchirurgie
Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.
Leipziger Str. 44
39120 Magdeburg
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Dr. Dominik Hinzmann
Stellvertreter

Klinik für Anästhesiologie
Klinikum rechts der Isar der TU München
Ismainger Str. 22
81675 München
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Diana Wieprich
zweite Stellvertreterin

Klinik für Anästhesie und interdisziplinäre Intensivmedizin
Pius-Hospital Oldenburg
Georgstraße 12
26121 Oldenburg
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Aktuelle Empfehlung:

download iconSchutz und Erhalt der psychischen Gesundheit von Mitarbeitern in Notaufnahmen und auf Intensivstationen während der COVID-19-Pandemie

 

Sektionsarbeit

Im Mittelpunkt der Sektionsarbeit steht die Diskussion um psychosoziale Prävention und Unterstützungsangebote für alle Mitarbeiter der Berufsgruppen der prä- und innerklinischen Notfall-, Akut- und Intensivmedizin. Abgrenzend zur Sektion „Psychologische Versorgungsstrukturen in der Intensivmedizin“, die sich maßgeblich den Belangen der Patienten und Angehörigen widmet und in Verbindung mit den Mitarbeitenden betrachtet (1), steht bei der Sektion „Perspektive Resilienz“ die psychische Gesundheit des medizinischen Personals im Vordergrund.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatten um psychosoziale Arbeitsbelastungen, Fehlbean-spruchungsfolgen und vorzuhaltende Maßnahmen im Gesundheitswesen und in der Notfall-, Akut- und Intensivmedizin stand zu Beginn der Sektionsarbeit zunächst die Frage nach vorlie-genden empirischen Daten im Vordergrund. International liegen bereits zahlreiche Studien und mehrere Übersichtarbeiten für die Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin vor (2-5). Im deutschspra-chigen Raum wurden gerade in jüngster Vergangenheit und werden aktuell zahlreiche „Umfra-gen“ und wissenschaftliche Studien durchgeführt. Arbeiten, die ein breites Spektrum alltäglicher und vor allem auch extremer Belastungssituationen erfassen, liegen jedoch nicht für alle Berei-che der Notfall-, Akut- und Intensivmedizin vor (6). Es werden die (gesundheitlichen) Folgen der Belastungen relativ breit diskutiert: Burnout, mangelnde Arbeitszufriedenheit, Dropout-Absichten etc. werden jedoch häufiger als die schweren individuellen Traumafolgen (z.B. post-traumatische Belastungsstörung) oder die institutionellen Folgen, z.B. die Beeinträchtigung der Versorgungsqualität durch Personalmangel, betrachtet (7, 8).

DIVI Gruppenbild Sektion ResilienzIm Rahmen der Sektionsarbeit soll der Blick weniger auf pathogene Einflüsse gelenkt werden, sondern vielmehr auf jene Faktoren, die dazu beitragen, dass das Personal trotz hoher Belas-tungen gesund bleibt und langfristig in der Lage sein kann, eine qualitativ hochwertige Patien-tenversorgung zu leisten. Fragestellungen dieser Art sind seit über 60 Jahren Gegenstand der psychologischen „Resilienz“-Forschung (9). Der Begriff der Resilienz wird unterschiedlich defi-niert und heterogen verwendet: Resilienz als Persönlichkeitsmerkmal im Ergebnis einer gesun-den Entwicklung, als rasche Erholung nach schwerwiegenden Ereignissen, als „besserer“ Be-wältigungsverlauf, als „besseres“ Bewältigungsergebnis, als Bewältigungsressource etc. (10-12). Der Begriff wird für Individuen (individuelle Resilienz), aber auch für Organisationen bzw. sozial-räumliche Settings (gemeinschaftliche und organisationale bzw. institutionelle Resilienz) angewendet und kann entsprechend auch auf die Systeme bzw. Organisationsstrukturen in Präklinik und Klinik übertragen werden (13, 14). Ausgehend von dieser „Perspektive Resilienz“ sollen Maßnahmen und Handlungsempfehlungen für alle Berufsgruppen in der Notfall-, Akut- und Intensivmedizin abgeleitet werden.
Derzeit existieren bereits Empfehlungen für vorzuhaltende Hilfesysteme und durchzuführende Maßnahmen. Dabei besteht jedoch die Gefahr der Implementierung von Einzel-Maßnahmen ohne Einbettung in ein strukturiertes Gesamtsystem (15, 16). Im Kontext der betrieblichen Ge-sundheitsförderung werden die psychosozialen extremen Belastungen noch selten aufgegrif-fen. Zwar beschreibt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung ein Verfahren, mit dem Be-schäftigten auch in Krankenhäusern zeitnah nach Extremerfahrungen Hilfe im Rahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes angeboten werden sollten (17), jedoch ist dies insgesamt zu wenig bekannt,

geschweige denn, dass eine Meldung von Extremereignissen und eine Inan-spruchnahme von Hilfen nach psychischen Arbeitsunfällen aktiv gefördert würde. Ein etablier-tes und qualitätsgesichertes System der Psychosozialen Vorbereitung und Nachsorge ver-gleichbar der präklinischen Psychosozialen Notfallversorgung liegt bisher nur für ausgewählte Kliniken vor (18), wird bisher aber innerklinisch nicht flächendeckend vorgehalten (19). Die Sektion setzt sich ein, diese Situation für das medizinische Personal zu verbessern.


Die Sektion hat sich mittelfristig sechs Ziele gesetzt:

  1. Das Thema der psychosozialen Belastung des Personals soll den Verantwortlichen der Klinik und der Öffentlichkeit nähergebracht werden. Dabei soll das medizinische Personal in dem komplexen Gefüge der Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin in den Vordergrund ge-stellt werden und im Fokus der Fürsorge stehen.
  2. Die Forschung zu den bereichsspezifischen und bereichsübergreifenden beeinträchtigen-den, und förderlichen Einflüssen auf die psychosoziale Gesundheit des medizinischen Per-sonals der Notfall-, Akut- und Intensivmedizin soll vorangebracht werden. Dabei soll der Fokus explizit auf Faktoren gelegt werden, die Resilienz fördern. Das übergeordnete Ziel ist dabei die Entstehung einer evidenzbasierten und damit belastbaren Datengrundlage nach aktuellen methodischen Standards.
  3. Eine Bestandsaufnahme bereits bestehender Unterstützungsangebote im medizinischen Berufsalltag, sowie die Identifizierung von qualitativ hochwertigen Angeboten der Krisenin-tervention.
  4. Dezidiertes Ziel ist die Entwicklung von Empfehlungen zur Stärkung der Widerstandskraft und psychosozialen Gesundheit des pflegerischen, rettungsdienstlichen und ärztlichen Personals in den genannten Bereichen. Als Qualitätskriterium geht die Umsetzbarkeit der Empfehlungen unter realen Arbeitsbedingungen ein. Dieses Ziel stützt die Nachhaltigkeit sowie die Akzeptanz der Empfehlungen.
  5. Die flächendeckende Implementierung von Angeboten der Krisenintervention, sowie für niederschwellige Unterstützungsangebote für das klinische und präklinische medizinische Personal nach beruflichen Extremereignissen soll überprüft und vorangetrieben werden. Ziele in diesem Kontext sind ebenfalls die evidenzbasierter Qualitätssicherung, sowie eine aktive Vernetzung der interprofessionellen Akteure.
  6. Ziel der Sektion Perspektive Resilienz ist es, bestehende Projekte, die zu einer Stärkung der Resilienz des gesamten medizinischen Personals in Präklinik und Klinik beitragen, zu identifizieren, zu unterstützen, auszubauen, zu vernetzen und damit die Basis für qualitativ hochwertige, professionelle Unterstützung zu ermöglichen und zu gewährleisten.

Interessierte DIVI-Mitglieder sind herzlich zur Mitarbeit in der Sektion „Perspektive Resilienz“ eingeladen. Bitte teilen Sie Ihr Interesse per E-Mail an den Sprecher der Sektion, Prof. Dr. Felix Walcher (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) mit.

 


Quellen

  • Deffner T, Waydhas C. Vorstellung der Sektion „Psychologische Versorgungsstrukturen in der Intensivmedizin“ DIVI 2019; 2: 44.
  • Hegg-Deloye, S.; Brassard, P.; Jauvin, N., Prairie, J.; Larouche, D. Proirier, P.; Tremblay, A. & Corbeil, P. (2014). Current state of knowledge of post-traumatic stress, sleeping problems, obesity and cardiovascular disease in paramedics. Emergency Medicine Journal, 31(3):242-7.
  • Jasper S, Stephan M, Al-Khalaf H, Rennekampff HO, Vogt PM, Mirastschijski U. Too little appreciation for great expenditure? Workload and resources in ICUs. Int Arch Occup Environ Health. 2012; 85(7):753-61.
  • Johnston A, Abraham L, Greenslade J, Thom O, Carlstrom E, Wallis M, Crilly J. Review article: Staff perception of the emergency department working environment: Integrative review of the literature. Emerg Med Australas 2016; 1: 7-26.
  • Papathanassoglou ED, Karanikola MNK, Kalafati M, Giannakopoulou M, Lemonidou C, Albarran JW. Professional autonomy, collaboration with physicians, and moral distress among European intensive care nurses. Am J Crit Care 2012; 2: e41-52.
  • Arndt, D. & Beerlage, I. (2019 i. Druck). Psychische Belastungen und Belastungsfolgen in der Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin: bekannte Fakten, neue Entwicklungen und offene Fragen. In: S. Kluge, M. Heringlake, U. Janssens & B. Böttger (Hrsg.). DIVI Jahrbuch 2019/2020. Fortbildung und Wissenschaft in der interdisziplinären Intensivmedizin und Notfallmedizin: Schwerpunkt: „Psychische Belastung am Arbeitsplatz/Resilienz“, Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft: Berlin
  • Beerlage, I., Arndt, D., Hering, T. & Springer, S. (2009). Arbeitsbedingungen und Organisationsprofile als Determinanten von Gesundheit, Einsatzfähigkeit sowie haupt- und ehrenamtlichem Engagement bei Einsatzkräften in Einsatzorganisationen des Bevölkerungsschutzes. (Abschlussbericht, September 2009. Magdeburg. Abrufbar unter www.gesundheit-im-einsatzwesen.de
  • Karagiannidis C, Hermes C, Krakau M, Löffert K, Welte T, Janssens U. Versorgung der Bevölkerung in Gefahr. Deutsches Ärzteblatt 2019; 10: A 462-A 466.
  • Werner, E. (1993). Entwicklung zwischen Risiko und Resilienz. In G. Opp,M., Fingerle & A. Freytag, (Hrsg.), Was Kinder stärkt. Erziehung zwschen Risiko und Resilienz (S. 25-36). Basel: Reinhardt.
  • Alexander DE. Resilience and disaster risk reduction: An etymological journey. Natural Hazards and Earth System Sciences 2013; 11: 2707-2716.
  • Bengel J, Lyssenko L. Resilienz und psychologische Schutzfaktoren im Erwachsenenalter. 2012 (Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Bd. 43). Köln: BZgA.
  • Carpenter SR, Walker BH, Anderies MA, Abel NA. From metaphor to measurement: resilience of what to what? Ecosystem 2001 ; 4 : 765-781.
  • Beerlage I. Community Resilience. In Fekete A, Hufschmidt G (Hrsg.), Atlas der Verwundbarkeit und Resilienz (S. 32-33). Köln, Bonn: TH/Universität.
  • Hartwig H, Kirchhoff B, Lafrenz B, Barth A. Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Organisationale Resilienz. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2016. Dortmund.
  • Meraner V, Sperner-Unterweger B. Patienten, Ärzte und Pflegepersonal auf Intensivstationen. Psychologische und psychotherapeutische Interventionen. Nervenarzt 2016; 87: 264-268.
  • Richter-Kuhlmann E. Ärztegesundheit: Künftig nicht nur eine Floskel. Dtsch Arztebl 2019; 23-24: A-1156 / B-955 / C-943
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2017) Traumatische Ereignisse – Prävention und Rehabilitation (DGUV-Grundsatz 306-001). URL: https://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/306-001.pdf?src=asp-cu&typ=pdf&cid=6475 (zugegriffen am 24. Juni 2019)
  • Hinzmann D, Schießl A, Koll-Krüsmann M, Schneider G, Kreitlow J: Peer-Support in der Akutmedizin. Anästh Intensivmed 2019;60:95–101. DOI: 10.19224/ai2019.095
  • Beerlage I, Helmerichs J. Bundeseinheitliche Qualitätsstandards und Leitlinien in der Psychosozialen Notfallversorgung. Trauma & Gewalt 2011; 3: 222-235.

Newsletter bestellen

Bestellen Sie unseren Newsletter, um in der Intensiv- und Notfallmedizin auf dem Laufenden zu bleiben!

Ihre Berufsgruppe:

Hinweise zum Datenschutz finden Sie im Impressum

Mitglied werden

Hier erfahren Sie alles über die Vorteile einer DIVI-Mitgliedschaft und können den Mitgliedsantrag gleich online ausfüllen!

Mitglied werden

Kontakt

DIVI e.V.
Luisenstraße 45
10117 Berlin
Tel.: 030 / 40 00 56 07
Fax: 030 / 40 00 56 37
E-Mail: info@divi.de

Impressum und Datenschutz

Pressemeldungen

Ob Qualitätssicherung auf Intensivstationen oder Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen – die DIVI veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu spannenden Themen.

Meldungen lesen