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Neuer DIVI-Präsident: „Der Intensivmedizin ein positiveres Gesicht geben“

Am 1. Januar hat Professor Uwe Janssens (Foto) das Amt des Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) übernommen. Der Chefarzt der Klinik für innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler will die Erfolge, aber auch die Grenzen seines Fachgebiets stärker hervorheben. Im Interview blickt er voraus auf die Themen, die die Fachgesellschaft in den kommenden Monaten bewegen werden.


Herr Professor Janssens, welche Aufgaben liegen vor Ihnen als neuer Präsident der DIVI?
Zunächst möchte ich die wirklich exzellente Arbeit des Vorstands der vergangenen Jahre fortsetzen. Die DIVI hat sich außerordentlich positiv entwickelt. Die interdisziplinäre Intensivmedizin, die wir vertreten, ist nachweislich sehr erfolgreich. Aber es liegen auch enorme Herausforderungen vor uns. Dazu gehört sicherlich an erster Stelle der Personalmangel – sowohl im ärztlichen, aber vor allem im pflegerischen Bereich, der uns vor zunehmend große Probleme stellt und stellen wird. Ich bin deshalb sehr gespannt, wie sehr uns das Thema der Personaluntergrenzen, die seit dem 1. Januar 2019 gelten, in den kommenden Monaten beschäftigen wird. Denn egal, welche Grenzen wir ansetzen, wir werden eine Personalunterdeckung haben, sicherlich keine Überdeckung. Hier müssen wir unbedingt mit der Politik – und vor allem unserem Bundesgesundheitsminister – ins Gespräch kommen.

Welche weiteren Themen werden Sie in der nächsten Zeit beschäftigen?
Ein zweites Thema wird die Organspende sein. Sie ist zuletzt sehr stark in den politischen Fokus gerückt, nicht zuletzt durch einige Initiativen unseres Bundesgesundheitsministers. Allein die dadurch geführte öffentliche Diskussion hat zu einer Sensibilisierung geführt, die jetzt endlich in einer Zunahme der Organspenden um 20 Prozent gemündet ist. Sehr froh bin ich darüber, dass endlich und zum ersten Mal zwei Mitglieder der DIVI in der Ständigen Kommission Organtransplantation vertreten sind. Intensivmediziner sind gerade in diesem Gremium unverzichtbar.
Ein weiterer extrem wichtiger Punkt ist die Strukturerhebung der Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland, die endlich Dank des unermüdlichen Engagements von Professor Felix Walcher Formen annimmt. Wenn es uns gelingt, eine Analyse des Ist-Zustands zu erstellen, werden wir besser wissen, wie die Intensivmedizin in Deutschland tatsächlich aufgestellt ist, und wo der Schuh drückt.

Wenn wir über solche politischen Themen sprechen, müsste die DIVI nicht viel stärker auch in den einzelnen Bundesländern vertreten sein?
Ja, das müsste sie sicherlich, zum Beispiel bei dem Thema Zusatzweiterbildung Akut- und Notfallmedizin. Die Bundesärztekammer hat Ende 2018 die Musterweiterbildungsordnung verabschiedet, die jetzt von den einzelnen Landesärztekammern ausgestaltet wird. Hier wäre es sinnvoll, wenn die DIVI und ihre Mitglieder sich berufspolitisch einbringen und in den Landesärztekammern gezielt die Umsetzung der Musterweiterbildungsordnung begleiten. Dafür müssen wir uns auch mit allen verantwortlichen Disziplinen, mit den Internisten, den Anästhesisten, den Unfallchirurgen und den Neuromedizinern zusammentun.

Die Vernetzung mit anderen Fachgesellschaften ist ein zentrales Thema der Intensiv- und Notfallmedizin. Warum raten Sie einem interessierten Arzt oder Pflegenden, auch Mitglied der DIVI zu werden?
Die DIVI ist eine hervorragende interdisziplinäre Plattform, wie ich sie in keiner anderen Fachgesellschaft finde. Wenn ich in der Intensiv- und Notfallmedizin meine berufliche Zukunft sehe, dann bekomme ich hier das gesamte Spektrum dieses Fachs geboten – sowohl auf dem Kongress, als in Zukunft auch in der DIVI-Akademie, die unterjährig Kurse anbieten wird. Die Sektionen der DIVI bieten jedem Mitglied die Möglichkeit, aktiv die Zukunft der Intensivmedizin zu gestalten. Meine ersten Schritte in der DIVI waren die Arbeit in einer Sektion Mitte der 90er Jahre – damals die IAG Schock unter der Leitung von Professor Hans Anton Adams, unserem Ehrenmitglied. Diese intensive Arbeit mit hochengagierten Kolleginnen und Kollegen hat mit persönlich extrem viel gebracht.

Wie sollte die DIVI in der Öffentlichkeit auftreten?
Wir müssen der Intensivmedizin ein deutlich positiveres Gesicht geben, als das im Moment der Fall ist. Die Intensivmedizin ist ein Hochleistungsbereich. Wir können zeigen, dass wir schwerstkranke Patienten wieder zurück ins Leben führen können. Wir müssen den Pflegekräften, den Ärzten, die sich mit extremen Engagement und Hingabe um die schwerstkranken Patienten kümmern, ein Gesicht gegen. Zugleich haben viele Menschen Angst, dass mit dem, was heute medizinisch möglich ist, ihre persönlich gesetzten und gewollten Grenzen überschritten werden, ohne dass ihr Wille beachtet wird. Wir müssen transparent machen, dass unser Handeln sehr wohl Grenzen kennt, die sich immer ausschließlich am Willen des Patienten orientieren und an der ärztlichen Indikation. Wir müssen transparent und nachwollziehbar Grenzen ziehen – und zwar nicht aus ökonomischen, sondern aus zutiefst menschlichen Gründen. Wenn wir hier ehrlich sind, werden wir der Bevölkerung zeigen können, dass wir eine gute Medizin machen. Transparenz, Offenheit und Aufklärung müssen wir zeigen und beweisen.

Wie wollen Sie das erreichen?
Bei unserem jüngsten Kongress hat die Kongresspräsidentin Professorin Elke Muhl zum ersten Mal einen Patiententag veranstaltet. Wir sollten diesen Ansatz weiter verfolgen. Wir haben viele hochrangige Vertreter in allen Regionen Deutschlands, die lokal auch solche Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung durchführen können. Solche Aktionen zur Intensivmedizin gab es schon – wir sollten diese flächendeckend einführen. Analog zu den Herzwochen der Deutschen Herzstiftung funktioniert ein solches patientenorientiertes Format sicherlich fantastisch. Die Realisierung eines solchen Vorhabens ist sicherlich eine der Kernaufgaben.

Prof. Dr. med. Uwe Janssens ist Chefarzt der Klinik für innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, die er seit 2005 leitet. Zuvor war der 57-jährige Chefarzt am Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim als Chefarzt tätig, nachdem er an der Universitätsklinik Aachen seine Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie sowie die Zusatzbezeichnung Internistische Intensivmedizin absolvierte und als leitender Oberarzt Verantwortung für die internistisch-kardiologische Intensivstation getragen hatte. In der DIVI engagiert sich Janssens bereits früh. Seit 2008 ist er Sprecher der Sektion Ethik, in der er sich unter anderem mit der Frage befasst, bis zu welcher Grenze der Einsatz moderner intensivmedizinischer Mittel dem Wohl der Patienten dient. Zudem ist Janssens Mitherausgeber der Deutschen Medizinischen Wochenschrift „Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin“ und als Generalsekretär in der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin aktiv. Dort engagiert er sich seit Jahren in der Fortbildung von angehenden Intensivmedizinern. Uwe Janssens ist verheiratet und hat zwei Söhne.

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