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Neue Standards: Notfalltraining speziell für Neugeborene

Einmal im Jahr sollten Notfallsituationen mit Neugeborenen trainiert werden. Das empfiehlt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Dafür hat die DIVI-Sektion „Neonatologische Intensiv- und Notfallmedizin“ vor drei Jahren ein standardisiertes Programm entwickelt, das seitdem bei den DIVI-Jahreskongressen immer ausgebucht war. Mit großer Resonanz wurde das modular aufgebaute Training auch schon bei der Jahrestagung der Sächsisch-Thüringischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Kinderchirurgie (STGKJM) sowie der Mitteldeutschen Tagung Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (MITANPI) angeboten. In diesem Jahr wird es auch ein neonatologisches Workshop-Angebot im Rahmen des virtuellen DIVI-Kongresses geben. Präsidiumsmitglied Privatdozent Dr. Axel Hübler (Foto), Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Chemnitz, spricht im Interview über das besondere Kursprogramm, Behandlungsstrategien und die Lösung der häufigsten Probleme.

Herr Dr. Hübler, was ist das Besondere am DIVI-Notfalltraining Neonatologie?
Es gibt in Deutschland ja bereits für andere Zielgruppen sehr gute Möglichkeiten, Notfälle bei Neugeborenen zu trainieren. Die DIVI als interdisziplinäre Organisation bietet sich aber hervorragend an, um hier multiprofessionell die Versorgung dieser besonderen Patientengruppe zu üben, weil in unterschiedlicher Häufigkeit nicht nur Kinderärzte, sondern zum Beispiel auch Anästhesisten oder Geburtshelfer damit konfrontiert sind, Neugeborene zu versorgen.

Warum gab es solche spezialisierten Trainings bisher nicht?
Generelle Trainings gab es auch innerhalb der DIVI bereits seit 2011. Speziell beim DIVI-Kongress wird eine Frühgeborenen-Intensivstation zu Trainingszwecken betrieben. Dort hatten mehrere Kollegen bereits wiederholt die Möglichkeit, Fortbildungen anzubieten. Aus den dabei realisierten Fortbildungen hatte sich eine gewisse Kontinuität entwickelt. So entstand ein strukturiertes Neugeborenen-Programm, das einem standardisierten Modulplan folgt.

Welche Probleme können bei der Erstversorgung von Neugeborenen auftreten, wofür diese Trainings hilfreich sind?
Unsere Trainings beziehen sich im ersten Kurs ganz streng auf die aktuellen Reanimationsleitlinien des Deutschen Rates für Wiederbelebung, die für uns verbindlichen Charakter haben. In den weiterführenden Trainingseinheiten gehen wir aber über die Reanimationsphase hinaus und haben eine Kombination aus theoretischer Wissensvermittlung und praktischen Übungen gefunden, um hier auch auf spezielle Patientengruppen innerhalb der Neugeborenen hinzuweisen. Diese Kombination aus Theorie und Praxis unterscheidet das DIVI-Curriculum „Notfalltraining Neonatologie“ auch von anderen Kursen mit ähnlichem Zeitumfang, da diese entweder überwiegend theoretisch oder praktisch orientiert sind.

Was für konkrete Probleme können das zum Beispiel sein?
Die häufigsten Störungen sind Atmungsstörungen, entsprechend ist das Kursprogramm angelegt. Dann natürlich Herz-Kreislauf-Störungen, und hier die Besonderheiten der Reanimation in der Postreanimationsphase, weil sich beim Neugeborenen die biologischen Bedingungen, und damit auch die daraus abzuleitenden Therapien, deutlich von Patienten im späteren Lebensalter unterscheiden.

An wen richten sich die Trainings?
Diese Trainings richten sich an alle medizinischen Berufsgruppen, die potenziell mit der Versorgung Risikoneugeborener konfrontiert sind. Wir sind stolz darauf, dass in allen Jahren die Kurse breites Interesse hervorgerufen haben und letztendlich ausgebucht waren.

Wie oft sollten die speziellen Situationen mit Neugeborenen trainiert werden?
Man geht davon aus, dass medizinisches Personal, das in der Notfall- und Intensivmedizin arbeitet, mindestens einmal im Jahr an standardisierten Trainings teilnehmen sollte – am besten in noch kürzeren Abständen.

Welche Verbesserungen erhoffen Sie sich durch das Trainingsangebot?
Wir erhoffen uns zum einen eine Sensibilisierung der potenziell betroffenen medizinischen Berufsgruppen, zum anderen eine Wissensvermittlung über die besondere Patientengruppe, und darauf aufbauend aktuelle Strategien für die Stabilisierung, Reanimation und Versorgung dieser Patienten.

Wie genau sieht das DIVI-Curriculum „Notfalltraining Neonatologie“ aus?
Wir starten hier mit sechs Kursleitern und je 16 Teilnehmern, dabei wechseln sich Theorie und Praxis ab. Es gibt vier aufeinander aufbauende Module, jedes dauert 120 Minuten. Das erste Modul befasst sich mit der Standardreanimation des kritischen Neugeborenen, das zweite mit der Simulation von speziellen Erkrankungen und Risikogruppen innerhalb der Neugeborenen. Das dritte Modul hat die Vermittlung und praktische Übung von besonderen Behandlungstechniken zum Thema, und im vierten Modul werden klinisch orientiert komplexe Szenarien anhand der in den ersten drei Modulen vermittelten Elemente durchgespielt.

Welche Vorteile bietet die Standardisierung eines solchen Programms?
Ein Vorteil der Standardisierung ist, dass wir als Kursleiter Bezug nehmen auf die aktuellen Leitlinien und vorgeben, was einer guten wissenschaftlichen und klinischen Praxis entspricht. Ein weiterer Vorteil ist die Reproduzierbarkeit der Inhalte mit Dritten. Die Resonanz auf das DIVI-Notfalltraining Neonatologie sowohl bei den DIVI-Kongressen als auch im Rahmen anderer Weiterbildungsveranstaltungen zeigt, dass das Interesse und der Bedarf daran sehr groß sind.

Terminhinweis:

Im Rahmen des virtuellen DIVI-Kongresses wird es Neonatologie-Workshops geben. Sämtliche Informationen gibt es unter: www.divi20.de/programm/workshops

Foto: Klinikum Chemnitz

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