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Neue Physiotherapie-Weiterbildung: „Der Einsatz in der Intensivmedizin gleicht bisher einem Freischwimmen“

Beim Einsatz in der Intensivmedizin sehen sich Physiotherapeuten mit einem ganz speziellen Bereich konfrontiert, der viel Fachexpertise benötigt. Zu ihrer Unterstützung hat die Sektion Physiotherapie in der Intensivmedizin der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ein Handbuch herausgegeben. Darauf aufbauend soll es nun ein E-Learning-Programm für Physiotherapeuten in der Intensivmedizin geben. Im Interview weist Sektionssprecherin Kathrin Stöver (Foto), Physiotherapeutin im Team Innere Medizin des Universitätsklinikums Leipzig, auf Lücken in der Ausbildung hin und erklärt, wie mit einer kontinuierlichen Weiterbildung die Behandlung der Patienten verbessert werden kann.

Frau Stöver, warum ist ein spezielles Handbuch für Physiotherapeuten in der Intensivmedizin notwendig?
Aus unserer Sicht wird es benötigt, um Physiotherapeuten, die neu oder selten in der Intensiv- oder Notfallmedizin arbeiten, Basiswissen über diesen bestimmten Bereich zu vermitteln. Da geht es zum Beispiel um das Monitoring über die Beatmung bis hin zu Hilfsmitteln, Medikamenten oder Laborparametern. Physiotherapeuten bekommen dieses Wissen in ihrer Ausbildung nicht vermittelt, und wenn sie in der Intensivmedizin eingesetzt werden, gleicht das bisher einem Freischwimmen, bis sie sich die Expertise diesbezüglich erarbeitet haben. Mit dem neuen Handbuch wollen wir, dass diese Kollegen besser unterstützt werden und mehr Fachexpertise entwickeln können.

Für wen eignet sich das Handbuch?
Das Handbuch eignet sich eigentlich für jeden Kollegen, der nicht auf eine langjährige Erfahrung in der Intensivmedizin zurückblicken kann. Insbesondere eignet sich das Handbuch für junge und neue Kollegen oder Fachschüler, die zum praktischen Einsatz in die Intensivmedizin kommen. Es geht hier um das tiefe Verständnis dafür, was die Intensivmedizin in ihrer Komplexität bedeutet, und welche Konsequenzen sich für unser physiotherapeutisches Handeln daraus ableiten.

Können Sie konkrete Beispiele dafür nennen, wo das Handbuch Wissenslücken schließt?
Ein Beispiel ist die Beatmung. Ich kann in meiner physiotherapeutischen Atemtherapie nicht alle mir zur Verfügung stehen Maßnahmen „gießkannenartig“ anwenden, wenn ein Patient etwa im kontrollierten Modus beatmet wird. Dann erübrigen sich bestimmte Techniken oder können gar kontraindiziert sein. Hier gibt das Manual wertvolle Hilfestellungen. Ein weiteres Beispiel ist die Befunderhebung. Es fällt vielen Physiotherapeuten schwer, einen physiotherapeutischen Befund bei einem Intensivpatienten zu erheben, weil man die ganzen Scores und Assessments nicht eins zu eins übertragen kann. In dem Handbuch werden Tools an die Hand gegeben, wie das modifiziert angewendet und ein Befund erstellt werden kann. Aus diesem kann dann die entsprechende physiotherapeutische Intervention abgeleitet werden, die individuell auf den Intensivpatienten abgestimmt ist. Wir stellen in dem Handbuch verschiedene Möglichkeiten für beispielsweise Atmung und Motorik vor. Auch die Wirkbereiche Herzkreislaufsystem sowie Wahrnehmung und Bewusstsein werden abgebildet.

Welche Möglichkeiten gibt es für Physiotherapeuten zusätzlich zu diesem Handbuch?
Wichtig ist die kontinuierliche Fort- und Weiterbildung. Auf Basis dieses Buchs entwickeln wir aktuell ein Curriculum mit verschiedenen Modulen, das zukünftig als E-Learning-Programm mit Präsenzphasen zur Verfügung stehen soll. Damit streben wir eine Standardisierung und eine nachhaltige Qualitätsverbesserung in der Patientenbehandlung an.

Worum geht bei diesem Fortbildungsprogramm konkret?
Bei den Modulen geht es in der Theorie etwa um die Auffrischung der Themenbereiche Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie und wichtige Krankheitsbilder. In den Praxismodulen wird beispielsweise das Thema Beatmung und die damit zusammenhängende physiotherapeutische Atemtherapie behandelt. Außerdem gibt es ganz allgemeine Module zu Themen wie Hygiene, Ethik, Recht oder Qualitätssicherung. Denn vielen Physiotherapeuten ist nicht bewusst, in welchem verantwortungsvollen Raum sie sich gerade in der Intensivmedizin bewegen. Wir als DIVI-Sektion arbeiten an einem besseren Wissenstransfer unter Kollegen. Zudem freuen wir uns über Physiotherapeuten, die aktiv in unserer Sektion und den Projekten mitarbeiten möchten.

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