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DIVI veröffentlicht Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland

Die DIVI und die Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) haben gemeinsam eine „Stellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ erarbeitet. Ärzte und Pflegkräfte haben in dem bemerkenswert konkreten Sechs-Seiten-Papier zahlreiche praxisnahe Forderungen und Vorschläge zusammengetragen, um die Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege jetzt und sofort sowie nachhaltig zu verbessern. „Die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte müssen sich dringend ändern“, sagt DIVI-Präsident Professor Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen. Seit einem Jahr und immer noch im Dauereinsatz inmitten der jetzt dritten Welle der Pandemie spielen zahlreiche Pflegekräfte mit dem Gedanken, aus ihrem Beruf aussteigen. „Wenn wir jetzt nichts tun, und die Pflegekräfte gehen, dann bekommen wir ein existentielles Problem in der Intensivmedizin!", konstatiert Professor Felix Walcher, Präsident elect der DIVI und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. „Es gibt kein Intensivbett ohne Pflege! Wir Ärzte stehen nicht den ganzen Tag am Bett der Patienten – das sind die Pflegenden“, sind sich Walcher und Marx einig.

DIVI und DGF fordern unter anderem:

  1. ein verbindliches Personalbemessungsinstrument,
  2. kreative und moderne Arbeitszeitmodelle,
  3. Unterstützungsangebote für Mitarbeitende mit Familie oder pflegebedürftigen Angehörigen,
  4. psychosoziale Unterstützungsangebote,
  5. die Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit,
  6. die Entlohnung entsprechend der Qualifikation,
  7. die Erweiterung der Kompetenzen für Intensivpflegende und
  8. patienten- und pflegeferne Tätigkeiten sowie Bürokratie drastisch zu reduzieren.

Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege müssen dringend verbessert werden

Prof. Marx, Herr Schäfer, Prof. Walcher

Die Empfehlungen der Stellungnahme stammen in erster Linie direkt von den Pflegenden. „Intensivpflegekräfte müssen täglich einen Spagat zwischen High-Tech-Versorgung und dem Patienten im Mittelpunkt des Geschehens machen und sind darüber außerordentlicher physischer und psychischer Belastung ausgesetzt“, weiß Andreas Schäfer (mittleres Foto), Sprecher der DIVI-Sektion Pflegeforschung und Pflegequalität und Pflegefachleiter am Klinikum Kassel. Es sei daher dringend erforderlich, dass die Punkte des Positionspapiers stringent angepackt würden. „Es ist ein wichtiger Schritt und gutes Signal, dass sich Intensivmediziner und Intensivpflegekräfte gemeinsam auf den Weg machen und gegenüber der Politik Stellung beziehen.“

JETZT Fakten schaffen!

Schäfer ist überzeugt: „Um dem Exodus aus der Intensivpflege zu begegnen, wären insbesondere das Aufzeigen eines Karriereweges mit entsprechender Verantwortung und Vergütung, sowie die gleichberechtigte Integration in den Behandlungsprozess, wertvolle Maßnahmen für eine Steigerung der Attraktivität des Berufes. Dass Einbeziehen von Assistenzkräften, die nicht auf den Stellenplan der Pflege angerechnet werden, würde die hohe Arbeitsbelastung zudem entschärfen können.“ Dies sind nur zwei Beispiele, die auf der Agenda der Stellungnahme stehen, um die Intensivpflege attraktiver für Pflegekräfte zu machen. „Ich glaube deshalb, dass wir mit diesem Vorhaben der Pflege sehr viele positive Signale senden“, so Walcher (rechtes Foto) – und das sei unbedingt notwendig. „Wir müssen JETZT Fakten schaffen. Sonst wird uns dieses hochqualifizierte Personal von der Fahne gehen und das System ist – so wie jetzt – nicht mehr aufrechtzuerhalten.“

Als Sprecher der Sektion Resilienz ist es Walcher zudem wichtig zu betonen, dass vor allem auch die psychosoziale Unterstützung der interprofessionellen Teams ein wichtiges und zentrales Anliegen der DIVI sei. „Die exzellenten Mitarbeiter der Intensiv- und Notfallmedizin machen eine sehr wertvolle Arbeit, die gelegentlich aber auch psychisch extrem belastend ist. Bis zum heutigen Tag gibt es weder Psychologen noch professionelle Strukturen im Krankenhaus, an die sich ein Mitarbeiter wenden kann, wenn er mit einem belastenden Ereignis nicht mehr alleine emotional fertigwerden kann. Das ist nicht hinnehmbar!“

Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung will Umsetzung Nachdruck verleihen

Die Stellungnahme wurde Anfang März von der DIVI und der DGF fertiggestellt und bereits am 15. März durch den Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, in einer ersten Pressemitteilung Politikern und Journalisten vorgestellt. „Pflegekräfte und Ärzte haben sich zusammengetan und treten gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen in der Intensivpflege ein. Das begrüße und unterstütze ich mit aller Kraft!“, so Westerfellhaus. „Ich werde die Forderungen von der DIVI und der DGF in den politischen Raum tragen, damit der Umsetzung Nachdruck verliehen wird.“

Bereits seit Jahren bestimmt das Thema Stärkung der Pflegekräfte die politische Agenda der DIVI. Durch die Pandemie scheint endlich Bewegung in den Prozess zu kommen. „Die sehr positiven Signale aus der Politik, jetzt unmittelbar gemeinsam mit uns in die Umsetzung der konkret skizzierten Maßnahmen zu gehen, stimmen uns sehr hoffnungsvoll“, erklärt DIVI-Präsident Marx (linkes Foto). „Das ist ein Meilenstein! Und wir werden nicht lockerlassen.“

Download-IconStellungnahme zur Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland

 

 

Fotos:
Pflegekräfte mit COVID-19-Patient: iStock.com/Tempura
Professor Gernot Marx (links): Daniel Carreño
Andreas Schäfer (Mitte): privat
Professor Felix Walcher (rechts): Universitätsmedizin Magdeburg, Foto: Melitta Schubert

 

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