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Neuigkeiten aus der Intensiv- und Notfallmedizin

DIVI-Präsident Uwe Janssens nach einem Jahr im Amt: „Wir sind sichtbarer geworden und werden aktiv von der Politik angesprochen“

Seit einem Jahr steht Professor Uwe Janssens (Foto) an der Spitze der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Als Präsident hat er sich ehrenamtlich um die vielen kleinen und vor allem großen Themen der Intensiv- und Notfallmedizin in Deutschland gekümmert. Nun ist ein guter Zeitpunkt für den Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Im Interview zum Jahresstart blicken wir noch einmal gemeinsam zurück: Welche Akzente konnte Janssens innerhalb der DIVI setzen? Wie hat sich unter seiner Leitung die Zusammenarbeit mit den anderen Fachgesellschaften entwickelt? Und welche Rolle spielen dabei auch soziale Medien? Zum anderen ist auch ein Blick in die Zukunft angebracht: Welche Pläne stehen auf der Agenda für 2020? Wie kann die DIVI noch stärker werden?

Herr Professor Janssens, welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr als DIVI-Präsident?
Eine durchweg positive Bilanz. Es hat mir bisher auch wirklich viel Spaß gemacht. Wir konnten ziemlich viel bewegen, da wir uns ganz klare Ziele gesteckt haben. Und die haben wir erreicht: Zum Beispiel sind wir beim Thema Strukturen der Notaufnahmestationen gut weitergekommen – da haben wir eine sehr aktive Sektion, die uns in den Spitzengremien sehr nachhaltig und effektiv vertritt. Wir haben uns dort konstruktiv einbringen können und konnten sogar einige Dinge abändern, die anders geplant waren – das ist ein beachtlicher Erfolg! Beim Thema Organspende hat die DIVI ein wichtiges Positionspapier verfasst. Es geht darin um die Frage, wie wir zu einer guten und ethisch fundierten Einschätzung kommen, ob ein Patient als Organspender in Betracht kommt. Mit dem Papier werden jetzt die Prozesse klarer aufgeschlüsselt. Dieses ist in den Initiativplan Organspende des Bundesgesundheitsministers eingeflossen. Die DIVI hat auch eine Stimme im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Organtransplantation erhalten. Ein wesentlicher Meilenstein! Wir sind insgesamt sichtbarer geworden und werden jetzt schon aktiv von der Politik angesprochen. Wir konnten uns beispielsweise in unserer Stellungnahme zum Rehabilitations- und Intensivpflege-Stärkungsgesetz mit guten Argumenten positionieren. Last but not least der Punkt Pflege: Der Personalmangel wird uns in den nächsten Jahren noch stärker treffen. Wir müssen jetzt an tragfähigen Lösungen gemeinsam mit der Politik arbeiten, um die Versorgung der schwerkranken Patienten qualitativ weiterhin sicherzustellen. Dabei legen wir immer wieder den Finger in Wunden, die von vielen Akteuren derzeit bewusst ignoriert werden.

Sie sagten zu Jahresbeginn, Sie wollen der Intensivpflege wieder ein positives Gesicht geben. Was haben Sie hier erreichen können?
Wir haben gleich Anfang März vergangenen Jahres zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) die Aktion „Intensiv. Pflege. Leben!“ gestartet. Gedreht wurden kurze Videoclips mit Menschen aus der Intensivpflege, die Positives aus ihrer Arbeit berichten. Was ist ihre Motivation? Warum macht ihnen der anspruchsvolle und belastende Beruf immer noch Spaß? Was macht das Berufsfeld so interessant? Mit dieser Aktion wollen wir der Gesellschaft zeigen: Diese Menschen helfen euch und verdienen daher maximale Wertschätzung und Unterstützung. Die Aktion wird auch von der Pflege sehr, sehr positiv wahrgenommen. Sie sind Partner auf Augenhöhe. Das zeigt sich unter anderem in wachsenden Mitgliederzahlen der DIVI gerade aus dem Bereich der Pflege.

In welcher Form sollte diese gemeinsame Initiative von DIVI und DGIIN nun weitergehen?
Diese Initiative wird weiter fortgeführt und ich freue mich darauf. Während des DIVI-Kongresses im Dezember haben wir in einer Statement-Box viele Video-Beiträge von Kongressteilnehmern zusammengetragen. Diese Statements wollen wir vor allem in den sozialen Netzwerken nutzen, um auf die unverzichtbare und elementare Bedeutung der Pflegekräfte hinzuweisen. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir da viele Menschen erreichen werden. Diese Einschätzung teilen auch die Präsidien beider Fachgesellschaften. Aber: Diese Aktion ist natürlich nur ein Zeichen – sie wird die aktuellen Probleme nicht lösen. Im Alltag müssen wir noch mehr als bisher an einem Strang ziehen und uns gegenseitig unterstützen.

Nun prägt ein Präsidentenwechsel auch die Präsidiumsarbeit innerhalb einer Fachgesellschaft. Welche Akzente konnten Sie hier setzen?
In der DIVI ist das Präsidium sehr breit mit Experten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen aufgestellt. Das hat mir schon immer sehr viel Spaß gemacht, hier sehr unterschiedliche Sichtweisen zu erfahren und diese dann in eine gemeinsam vertretene Richtung zu bringen. Wir müssen Themen schließlich auch kontrovers diskutieren können, um dann am Ende über einen demokratischen Abstimmungsprozess zu einem Konsens zu kommen – das ist mein persönlicher Stil. Im vergangenen Jahr ist uns das immer gut gelungen. So gesehen konnte ich mit einem starken Team im Präsidium an die gute Arbeit der Vorjahre anknüpfen – es brauchte gar keine großen neuen Akzente. Wir entwickeln uns gemeinsam weiter. Darauf kommt es an!

Neu ist allerdings, dass Sie als erster DIVI-Präsident in den sozialen Netzwerken stark vertreten sind. Welche Rückmeldungen bekommen Sie auf Ihre Videoclips und Postings?
Durchweg positive Rückmeldungen. Das freut mich natürlich und spornt mich an, in diesem Feld weiter aktiv zu bleiben. So können wir unsere Themen noch mal in anderen Formaten präsentieren. Und ich mache das wirklich gerne – mit nur geringen Ressourcen kann man ganz erstaunliche mediale Resultate erzielen. Beim DIVI-Kongress hatten wir nun erstmals ein Live-Streaming angeboten – mit großem Erfolg. Jetzt können wir mit den aufgezeichneten Videos der Vorträge – dazu zählt auch die gesamte Eröffnungsveranstaltung – weiterarbeiten und sie den Mitgliedern auf verschiedenen Portalen zur Verfügung stellen. Wir müssen uns als DIVI modern entwickeln und Social Media gehört für mich einfach dazu. Wir sind auch auf Facebook und Twitter aktiv. Ob wir auch Instagram nutzen werden, müssen wir mal schauen. Durch Social Media können sich alle mittlerweile ein gutes Bild machen über das, was aktuell in der Intensiv- und Notfallmedizin und der DIVI von Interesse ist.

Sie sind nicht nur persönlich on- und offline gut vernetzt, auch die DIVI ist es. Wie konnte hier zuletzt die Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften weiterentwickelt werden?
Wir sind als DIVI zwar unabhängig, aber natürlich auch auf Diskussion mit anderen Fachgesellschaften und deren Input angewiesen. Uns geht es nicht darum, wer die meisten Mitglieder mitbringt, sondern wer bei bestimmten Themen die besten Argumente hat. Auf dieser Ebene haben wir auch in den vergangenen Monaten viel diskutiert und haben jetzt auch beschlossen, dass wir bei strittigen Themen paritätisch besetzte Task Forces zur Konsensbildung berufen. Man muss wissen: 50 Prozent der DIVI-Präsidiumsmitglieder sind von den Mitgliedern gewählt, die anderen 50 Prozent sind jeweils von den Mitglieds-Fachgesellschaften bestimmt. Wenn da Themen aus der Sicht einzelner Fachgesellschaften kritisch sind, dann müssen diese genug Raum bekommen und gehören demokratisch diskutiert.

Zu diskutieren gibt es viele Themen. Was genau konnten Sie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn nach dem Treffen beim DIVI-Kongress mit auf den Weg geben?
Ich konnte ihm vermitteln, dass die DIVI eine wirklich wichtige Fachgesellschaft ist, die bei relevanten Fragestellungen der Intensiv- und Notfallmedizin mit einbezogen werden muss. Auch das ist nicht allen Politikern klar. Wenn die Politik merkt, dass die DIVI kluge und hilfreiche Stellungnahmen erstellt, wird sie uns in zukünftigen Prozessen noch stärker einbinden. Davon bin ich überzeugt. Das hat Jens Spahn auch schon signalisiert.

Themen wie Personaluntergrenzen, Kinderintensivstation oder Organspende waren zuletzt sehr präsent. Welche Themen werden in 2020 wichtig?
Die Personalknappheit wird auch weiter ein bestimmendes Thema sein – und wir werden auch im kommenden Jahr als Ergebnis der negativen ökonomischen Entwicklung im Gesundheitssystem zunehmend Krankenhausschließungen erleben. Ich bin sehr gespannt, was es für die Versorgung einer Region bedeutet, wenn beispielsweise plötzlich ein Krankenhaus mit 15 Intensivbetten schließen muss und die Patienten woanders behandelt werden müssen. Wir werden uns kritische, aber auch ethische Fragen über eine passende und vor allem gerechte Ressourcenverteilung stellen müssen. Das Thema der Überversorgung wird uns ebenso in diesem wie den kommenden Jahren begleiten. Wir benötigen dringend eine Abbildung der sprechenden Medizin in der Intensivmedizin im OPS-Katalog. In den vergangenen Jahren wurde uns das wiederholt verwehrt. Dazu werden wir bald ein Gespräch mit der zuständigen Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium führen. Die Politik hat erkannt, dass die stetig wachsende Anzahl außerklinisch intensivmedizinisch behandelter Patienten in Deutschland dringend auf den Prüfstand muss. Gerade hier hat unser Bundesgesundheitsminister Mut bewiesen. Die DIVI mit seinen Experten aus allen Bereichen der Intensiv- und Notfallmedizin ist gerade hier der richtige Ansprechpartner für Jens Spahn.
Die fehlenden Ressourcen in der pädiatrischen Intensivmedizin machen einen mehr als nur betroffen – es ist ein regelrechter Skandal! Auch hier werden wir uns weiter klar äußern und unsere Forderungen vorbringen sowie die Interessen aller Betroffenen – und vor allem die der Kinder – mit Vehemenz vertreten.

Auch die DIVI-Mitglieder haben ihre eigenen Interessen. Wie können sie sich in 2020 noch besser und vielleicht projektbezogen einbringen?
Ich möchte den Sektionen mit den dort engagierten Mitgliedern empfehlen, dass sie unsere Kommunikationsmittel, wie zum Beispiel den Newsletter, nutzen, um Kolleginnen und Kollegen für die aktive Mitarbeit an Projekten zu gewinnen. Die Sektionssprecher haben die Aufgabe, Ideen und Themen zu sammeln und in einem Projekt umzusetzen. Ich glaube, dass viele Mitglieder Lust haben, sich in aktuelle Debatten einzubringen, für sich aber nicht das passende Projekt sehen. Das müssen wir ändern.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Arbeit in 2020?
Ein ganz großer Wunsch ist, dass wir die nicht-ärztlichen Berufsgruppen noch enger und verlässlicher mit der ärztlichen Berufsgruppe verzahnen. Wir sollten bei akuten Problemen mit einer Stimme aufstehen und gute und überzeugende Argumente für unsere Sichtweise vorbringen und dann für alle tragbare Lösungen herbeiführen. Dazu gehört für mich auch, dass die Pflegenden innerhalb der Fachgesellschaft das gleiche Stimmrecht bekommen wie Ärzte. In der DIVI-Satzung ist dies aktuell noch anders geregelt, hier wird aber eine Änderung der Satzung aktuell vorbereitet. Ich sehe das als Notwendigkeit an. Und ein ganz großer Wunsch wäre natürlich, dass wir in Zukunft noch mehr wahrgenommen werden. Der DIVI-Kongress soll im nächsten Jahr die Teilnehmergrenze von 6.000 knacken. Das ist ein realistisches Ziel, das uns alle motiviert.

Foto: Thomas Weiland

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